Leon Gießer (l) und  Jonas Enzmann (r)FCL-Degenfechter bereiten sich auf DM-Heimspiel vor / Teamgeist am Stützpunkt

Leipzig. Meistens gefällt Fußball. Manchmal muss es aber Fechten sein. So geschehen vor sechs Jahren in Augsburg mit Nachwuchskicker Leon Gießer. Dessen Kumpel traute sich nicht allein zum Probetraining bei den modernen Musketieren. „Mir hat es dort gleich gefallen“, erinnert sich der in wenigen Tagen 19-Jährige, der seinerzeit vom Rasen auf die Planche wechselte und sich als Späteinsteiger im bayrischen Fechtclub positiv entwickelte.

Erster großer Erfolg war Teamsilber bei der Kadetten-EM und Platz sechs im Einzel. Jüngst erkämpfte Leon Gießer – nunmehr als Degenhoffnung für den FC Leipzig aktiv – beim Junioren-Weltcup in Basel den 19. Rang. Im Duell um den Achtelfinaleinzug unterlag der Schützling von Jörg Fiedler dem Italiener Piatti knapp 13:15.

Arbeit, Arbeit nochmals Arbeit. Vor dem internationalen Auftritt in der Schweiz absolvierten die Leipziger Jungs mit Coach Fiedler ein Trainingslager in Basel. Dort trafen sie gute Bekannte. Allen voran „Fiedels“ ehemaligen Trainer Didier Ollagnon. Inspiration und Härte holen lautete die Devise. „Konsequenter auf den Gegner einstellen, das Rhythmusgefühl schulen“, nennt Leon Gießer einige der Aufgaben. „Das hat im Wettkampf ziemlich gut geklappt.“ Hätte er diese Leistung zwei Wochen früher angeboten, wäre noch das EM-Ticket drin gewesen. Der Blick ist nach vorn gerichtet. Längerfristig auf die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Kurzfristig auf die Deutschen Meisterschaften der Aktiven am 18./19. April in der Leipziger Arena. Über die nationale Rangliste haben sich Leon Gießer, Jonas Enzmann und Klara Jaskulla qualifiziert. Zwei weitere Plätze werden über die Landesrangliste vergeben. Beim jüngsten Turnier in Mannheim erreichte Felicitas Grollmisch als 43. die beste Platzierung. Den DM-Mannschaftskampf werden beide Leipziger Degen-Teams bestreiten. In der U20 finden die Titelkämpfe vom 15. bis 17. Mai in Offenbach statt.

Das Heimspiel unter FCL-Federführung soll wiederum positive Signale senden – für Athleten und den Bundesstützpunkt. Dieser ist zunächst bis 2020 bestätigt. Der Betreuerstab um Chef Jörg Fiedler ist guter Dinge, dass es bis 2024 weitergeht. Der Standort, das Umfeld, es passt. „Es laufen allgemeine Planungsgespräche. Über die aktuellen Stützpunkte gibt es keine Diskussion. Wir gehen davon aus, dass wir weiterarbeiten können“, hofft der ehemalige Weltklasse-Fechter Fiedler. Gemeinsam mit dem 42-Jährigen sind der 26-jährige Christian Büttner und der gebürtige Ungar Martin Nagy, der schon Athleten in Kanada betreute, für die jungen Herren und Damen zuständig. Der Teamgeist lebt und belebt. „Es läuft wunderbar“, bestätigt Büttner. Und Jonas Enzmann (19) ergänzt: „Persönlich habe ich mich weiterentwickelt, auch der Klub insgesamt. Wir pushen uns gegenseitig.“

Arbeit nach dem Musketier-Prinzip: Einer für alle, alle für eine.

n. Kerstin Förster